Geplant als Ausbildung – gewachsen zur echten Einsatzübung

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Löwenstein,

Ein beschädigtes Gebäude in Löwenstein, deutliche Risse im Mauerwerk und ein sichtbar geschwächtes Gewölbe: Der 21.02. war als gemeinsamer Ausbildungstag vorgesehen. Auf Einladung des THW Ortsverband Widdern trafen sich die Helferinnen und Helfer, um das Thema Abstützen unter realen Bedingungen zu vertiefen.

Schon beim ersten Blick in das Gebäude wurde klar: Das ist kein reines Übungsszenario auf dem Papier. Das Objekt war tatsächlich einsturzgefährdet. Betroffen waren der Gewölbekeller, das Erdgeschoss sowie das erste Obergeschoss. Die Lage erforderte ein durchdachtes, abgestimmtes Vorgehen über mehrere Ebenen hinweg. Von Beginn an arbeiteten die Einsatzkräfte nicht getrennt nach Ortsverbänden, sondern bewusst in gemischten Teams aus Weinsberg und Widdern – mit dem Ziel, Abläufe gemeinsam zu leben und sich auch unter realem Druck kennenzulernen.

Die Ausgangslage: Instabile Struktur über drei Ebenen

Der Gewölbekeller wies deutliche Schwächungen auf und trug die Last der darüberliegenden Geschosse. Risse und Setzungen machten deutlich, dass gehandelt werden musste. Ziel war es, das Gebäude vom Keller bis in das erste Obergeschoss durchgängig abzustützen und die Kräfte kontrolliert abzuleiten.

Damit bekam der geplante Ausbildungstag schnell den Charakter einer echten Einsatzübung. Entscheidungen mussten sauber getroffen, Maßnahmen präzise umgesetzt und immer wieder überprüft werden.

Unten entscheidet sich alles

Der erste Weg führte in den Gewölbekeller. Hier lag das Fundament für jede weitere Maßnahme. Schnell wurde deutlich, dass eine Lösung nach Handbuch nicht ausreichen würde. Die Form des Gewölbes verlangte eine angepasste Konstruktion.

Mit dem Einsatz-Gerüst-System entstand Schritt für Schritt eine Sonderkonstruktion. Es wurde gemessen, angepasst, erneut geprüft. Bauteile wurden gehalten, ausgerichtet, kontrolliert. Jeder Handgriff hatte eine Bedeutung, denn hier wurde die Basis für die Stabilität des gesamten Gebäudes geschaffen. 

Nach Fertigstellung begutachtete der Baufachberater die Konstruktion. Die Abnahme bestätigte die fachgerechte Umsetzung – ein wichtiger Moment, bevor die Arbeiten in den oberen Bereichen fortgesetzt wurden.

Erst verstehen, dann stützen

Im Erdgeschoss stand zunächst die genaue Analyse der Deckenkonstruktion im Mittelpunkt. Bevor Material verbaut wurde, verschafften sich die Helfer ein umfassendes Bild vom Aufbau und der Lastverteilung.

Auf dieser Grundlage fiel die Entscheidung, eine hölzerne Schwelle am Boden sowie einen Unterzug an der Decke mit einer Größe von einem auf zwei Metern zu errichten. An den vier Ecken wurden Spindelstützen eingesetzt, ergänzt durch zwei mittig platzierte EGS-Stützen.

Die Konstruktion wurde lotrecht ausgerichtet, verschraubt und anschließend verschwertet, um ein Verdrehen zuverlässig zu verhindern. Mehrfaches Nachmessen und gegenseitige Kontrolle gehörten selbstverständlich dazu. Hier zeigte sich, wie wichtig Präzision und Vertrauen im Team sind.

Platz schaffen für zusätzliche Stabilität

Im ersten Obergeschoss zeigte sich, dass für eine weitere wirkungsvolle Abstützung zunächst Raum geschaffen werden musste. Eine halbhohe Wand wurde kontrolliert niedergelegt, um die notwendigen Stützelemente fachgerecht einbringen zu können.

Mit Bedacht und ohne unnötige Erschütterungen wurde gearbeitet. Schritt für Schritt entstand so eine durchgängige Sicherung über alle betroffenen Ebenen hinweg.

Fachlicher Blick von außen

Im Verlauf der Arbeiten verschafften sich Fachberater der Feuerwehr ebenfalls einen Eindruck von der Lage. Direkt am Objekt wurden die gewählten Maßnahmen erläutert und technische Details besprochen. Die Gespräche waren praxisnah und konstruktiv und unterstrichen die Bedeutung des Austauschs zwischen den Organisationen.

Fazit: Realistische Bedingungen, starke Zusammenarbeit

Was als geplanter Ausbildungstag begonnen hatte, wurde durch die tatsächliche Gebäudesituation zu einer anspruchsvollen, realitätsnahen Einsatzübung. Das Arbeiten über drei Ebenen hinweg, das Entwickeln einer Sonderkonstruktion und die präzise Umsetzung im Erdgeschoss verlangten Fachwissen, Konzentration und Teamgeist. 

Neben der technischen Leistung stand an diesem Tag vor allem eines im Mittelpunkt: Menschen aus zwei Ortsverbänden, die gemeinsam arbeiten, sich kennenlernen und damit die Basis schaffen, im Ernstfall als eingespielte Einheit zu funktionieren.

 

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