Großübungen wie die GHBRescue2026 bestehen aus vielen Einsatzaufträgen, Entscheidungen und Eindrücken. Doch wie erlebt man eine solche Lage, wenn man selbst mittendrin ist und als Gruppenführer Verantwortung für seine Mannschaft trägt?
Christoph Kraus, Gruppenführer der Bergung, schildert die Übung aus seiner persönlichen Sicht:
Bei der Regionalstellenübung GHBRescue2026 standen für uns als Bergungsgruppe nicht nur Technik und Einsatzabläufe im Mittelpunkt. Für mich als Gruppenführer ging es vor allem darum, die Lage schnell zu erfassen, Entscheidungen zu treffen und mein Team sicher durch den Einsatzauftrag zu führen.
Unser Auftrag war zunächst die Erkundung des Gebietes Purpurreuth. Vor Ort stellte sich schnell heraus, dass die Zufahrt durch Trümmer versperrt war. Wir konnten also nicht direkt mit dem GKW bis an die Einsatzstelle fahren, sondern mussten das Gebiet zuerst zu Fuß betreten. Bei der Hitze an diesem Tag, der Strecke und den Steigungen war das körperlich durchaus fordernd.
Trotzdem mussten wir zügig vorankommen, denn zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, was uns im Gelände erwartet. Relativ schnell fanden wir dann eine vermisste Person in einem Tiefbauschacht. Ihr Bein war unter einem Betonrohr eingeklemmt. Damit war aus der Erkundung eine Rettung geworden.
Für den Zugtrupp wurde eine Lageskizze angefertigt, um die Situation vor Ort übersichtlich darzustellen. Gleichzeitig prüfte ich alternative Zugänge auf das Gelände, da zunächst noch unklar war, wann die blockierte Straße wieder befahrbar sein würde. Solche Momente zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur die eigentliche Einsatzstelle im Blick zu haben, sondern auch Anfahrt, Nachführung von Material und weitere Möglichkeiten mitzudenken.
Nachdem die Straßenblockade beseitigt war, konnten wir mit GKW und Anhänger bis an die Einsatzstelle vorrücken. Im Tiefbauschacht mussten wir zunächst die Wände sichern. Mit Schalbrettern verhinderten wir, dass die seitlichen Wände nachrutschen konnten. Erst danach konnte das Betonrohr mithilfe der Büffelwinde angehoben und die eingeklemmte Person gerettet werden.
Besonders herausfordernd war der beengte Raum im Schacht. Viel Bewegungsfreiheit gab es dort nicht. Dazu kam die Hitze, die allen zusätzlich einiges abverlangte. Gerade unter solchen Bedingungen muss jeder Handgriff sitzen.
Für mich wurde bei dieser Übung wieder einmal deutlich, wie gut mein Team aufeinander eingespielt ist. Jeder wusste, was zu tun ist, und ich konnte mich bedingungslos auf die Gruppe verlassen. Das macht es einem als Unterführer deutlich leichter, auch in einer anspruchsvollen Lage den Überblick zu behalten.
Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team. Die Mischung aus bekannten Abläufen, neuen Herausforderungen und notwendiger Improvisation macht die Arbeit in der Bergungsgruppe spannend und interessant. Vor allem aber zeigt eine solche Übung, wie wichtig Vertrauen, Zusammenarbeit und ein starkes Team sind.