Wenn die Nacht zum Tag wird – Streckenbeleuchtung im Ernstfall

  • Übungen

Weinsberg,

Die Dunkelheit liegt über den Feldern am Ortsrand, nur die Silhouetten der wartenden Fahrzeuge sind zu erkennen. Dann fällt das Kommando – und plötzlich verwandelt sich die Nacht in einen hell erleuchteten Korridor.

Was nach aufwendiger Arbeit klingt, haben die Kameradinnen und Kameraden in beeindruckender Geschwindigkeit geschafft: eine Streckenbeleuchtung über 250 Meter, professionell aufgebaut, gleichmäßig ausgeleuchtet – und das in kürzester Zeit.

Bei der jüngsten Ausbildung zum Thema Notversorgung und Notinstandsetzung stand eine besondere Herausforderung auf dem Plan: Wie beleuchtet man großflächig Zufahrtswege oder Einsatzstellen, wenn bei Unwettern oder Großschadensereignissen jede Minute zählt? Die Lösung: Streckenbeleuchtung mit System.

Der entscheidende Trick: Licht für die Aufbauphase

Am Lima-Anhänger herrschte konzentrierte Geschäftigkeit. Noch bevor die ersten Trupps ihre Positionen bezogen hatten, traf das Team dort eine kluge Entscheidung: Der Lichtmast des Anhängers wurde sofort ausgefahren und in Betrieb genommen. Mit einem leisen Surren fuhr der Teleskopmast in die Höhe, und wenige Augenblicke später tauchte helles Licht die gesamte Feldstrecke in ein arbeitsfähiges Licht. „Das ist der entscheidende Trick“, erklärte eine Einsatzkraft am Anhänger. „Mit Helmlampen wäre der Aufbau deutlich langsamer.“

Die Wirkung war sofort spürbar. Während zuvor nur einzelne Lichtpunkte durch die Dunkelheit huschten, war nun das gesamte Feld ausgeleuchtet. Die Beleuchtungstrupps konnten ihre Positionen genau erkennen, der Kabeltrupp sah, wo das Gelände uneben war, und alle arbeiteten deutlich sicherer und schneller. Der Lichtmast des Lima-Anhängers wurde damit zum fünften Strahler – und zum wichtigsten überhaupt, zumindest in dieser Aufbauphase.

Phasenverteilung und verschiedene Leuchtmittel

Während der Generator des Anhängers bereits lief und für Grundbeleuchtung sorgte, bereitete das Team dort die Phasenverteilung für die vier zusätzlichen Strahler vor. „Wir müssen die gleichmäßig auf die Phasen verteilen, damit keine Überlastung entsteht“, erklärte eine der Einsatzkräfte, während die Hauptabgänge kontrolliert wurden. Die vier Strahler sollten die 250 Meter lange Strecke gleichmäßig ausleuchten – eine strategische Verteilung, die eine lückenlose Ausleuchtung garantieren sollte.

Gleichzeitig machten sich die Beleuchtungstrupps auf den Weg. Vier Trupps, vier Strahler – und jeder hatte ein anderes Leuchtmittel erhalten. LED-Strahler, HQI-Scheinwerfer, unterschiedliche Wattzahlen – die Ausbilder Fabian Thunert und Felix Rank wollten sehen, wie sich die verschiedenen Systeme in der Praxis schlagen und wie gleichmäßig die Ausleuchtung am Ende tatsächlich ist. „Wir testen das bewusst“, erklärte Fabian Thunert. „Im Einsatz haben wir nicht immer identisches Material, und wir müssen wissen, was funktioniert.“

Aufbau gegen den Wind

Dank der Ausleuchtung durch den Lichtmast ging der Aufbau der Stative deutlich zügiger vonstatten. Jeder Trupp konnte genau sehen, wo er sein Stativ platzieren musste, welche Bodenbeschaffenheit herrschte und wo mögliche Stolperfallen lauerten. „Das ist wie Tag und Nacht“, scherzte eine Einsatzkraft. „Wortwörtlich.“

Doch der Aufbau war nicht ohne Herausforderungen. Der Wind hatte an diesem Abend ordentlich aufgefrischt, und die hohen Stative mit den schweren Strahlern boten eine erhebliche Angriffsfläche. „Wir spannen grundsätzlich ab“, erklärte eine erfahrene Einsatzkraft, während sie die Abspannleinen befestigte. „Ein umfallendes Stativ ist nicht nur gefährlich – es bedeutet auch einen Totalausfall der Beleuchtung an dieser Stelle.“ Mit Heringen wurde jeder Strahler gegen Wind und Wetter gesichert, die Stative standen stabil und sicher.

Kabelverlegung im Licht statt im Dunkeln

Während die Beleuchtungstrupps ihre Strahler montierten und ausrichteten, war der Kabeltrupp bereits im vollen Einsatz. Mit schweren Kabeltrommeln ausgestattet, verlegten die Einsatzkräfte die Hauptleitung vom Lima-Anhänger aus entlang der gesamten Strecke. Die Kabel wurden nicht einfach auf den Boden geworfen, sondern sorgfältig verlegt und gesichert. „Niemand soll hier stolpern“, rief eine Einsatzkraft aus dem Kabeltrupp.

Auch hier machte sich die Ausleuchtung durch den Lichtmast bemerkbar. Der Kabeltrupp konnte genau erkennen, wo Unebenheiten im Boden waren, wo Wurzeln oder Steine lagen und wo die Kabel am besten geführt werden sollten. Was sonst mühsames Tasten mit der Helmlampe gewesen wäre, ging nun fast wie bei Tageslicht vonstatten.

Zurück am Lima-Anhänger lief die entscheidende Phase: die Phasenverteilung. Das Team dort hatte inzwischen eine Skizze angefertigt, welcher Strahler an welche Phase angeschlossen werden sollte. „Wir haben unterschiedliche Leuchtmittel mit verschiedenen Leistungen“, sagte eine der Einsatzkräfte. „Die LED-Strahler ziehen weniger, die HQI-Scheinwerfer mehr. Das müssen wir ausbalancieren, sonst haben wir eine Phase im roten Bereich.“ Die Verteilerdosen wurden entsprechend angeschlossen, die Last sorgfältig auf die drei Phasen aufgeteilt.

Es werde Licht

Der Kabeltrupp war mittlerweile komplett durch. Vier Strahler, vier Anschlüsse – alle verkabelt, alle überprüft. „Verbindung steht“, kam die Meldung über Funk.

Dann kam der Moment der Wahrheit. Einer nach dem anderen wurden die Scheinwerfer in ihre zugewiesene Phase eingesteckt. Zusammen mit dem bereits laufenden Lichtmast verwandelte sich die dunkle Feldstrecke in eine hell erleuchtete Schneise. Die Unterschiede zwischen den Leuchtmitteln waren deutlich sichtbar: Während die LED-Strahler ein kühles, tageslichtähnliches Licht abstrahlten, leuchteten die HQI-Scheinwerfer in einem intensiven, warmweißen Ton. Manche Bereiche wirkten heller, andere etwas weicher ausgeleuchtet.

„Genau das wollten wir sehen“, sagte Fabian Thunert, während er die Strecke entlangging. „Jetzt können wir bewerten, welche Leuchtmittel sich für welchen Zweck am besten eignen – und wie sie sich in der Kombination verhalten.“ Die Ausleuchtung war beeindruckend: Feldwege, Böschungen, selbst unebenes Gelände war klar erkennbar. Die Überschneidungen der Lichtkegel sorgten dafür, dass keine Schattenzonen entstanden.

Am Lima-Anhänger überprüfte das Team die Phasenverteilung. „Schön gleichmäßig verteilt, genau wie geplant“, stellten sie zufrieden fest. Die Anzeigen zeigten, dass keine Phase im kritischen Bereich lag. Der Generator lief ruhig und gleichmäßig, die Motortemperatur im grünen Bereich.

HQI-Scheinwerfer brauchen Abkühlzeit – LEDs als Backup

Während die Beleuchtung in voller Pracht strahlte, nutzte Fabian Thunert die Gelegenheit für eine wichtige Belehrung. „Stellt euch vor, einer der HQI-Scheinwerfer fällt jetzt aus“, erklärte er der versammelten Gruppe. „Die könnt ihr nicht einfach wieder einschalten. HQI-Leuchtmittel müssen erst abkühlen, bevor sie erneut zünden – das kann mehrere Minuten dauern.“ Er wies auf einen der Strahler. „Im Ernstfall bedeutet das: Wenn so ein Scheinwerfer ausgeht, habt ihr erstmal eine Lücke in der Beleuchtung. Die LED-Strahler dagegen gehen sofort wieder an.“

Diese Erkenntnis war für viele neu und sorgte für nachdenkliche Gesichter. „Das heißt, bei kritischen Positionen sollten wir eher LEDs einsetzen“, stellte eine Einsatzkraft fest. Fabian Thunert nickte. „Genau. Oder ihr plant Redundanz ein.“ Er deutete auf einen der Masten, an dessen Stativ zusätzlich ein kleiner LED-Strahler befestigt worden war. „Genau deshalb haben wir hier zusätzlich einen kleinen LED-Strahler angebracht. Wenn der HQI ausfällt, springt sofort der LED ein – niemand tappt im Dunkeln, während der HQI abkühlt.“

Diese praktische Lösung leuchtete allen sofort ein. „Das ist clever“, meinte ein Teilnehmer. „Kostet kaum Material, bringt aber enorme Sicherheit. Im Ernstfall macht genau so eine Kleinigkeit den Unterschied zwischen weiterlaufen oder warten.“

30 Minuten im Praxistest

Etwa 30 Minuten ließ man die Beleuchtung in Betrieb, um die Stabilität zu testen und ein Gefühl für die Ausleuchtung unter realen Bedingungen zu bekommen. Der Wind frischte zwischenzeitlich weiter auf, doch die abgespannten Stative hielten stand. „Die Abspannung macht wirklich den Unterschied“, bestätigte eine Einsatzkraft. „Ohne wären die längst umgekippt.“

Am Lima-Anhänger wurde kontinuierlich der Betrieb überwacht. „Alles stabil“, meldete das Team dort. „Generator läuft rund, keine Auffälligkeiten.“ Auch die Kraftstoffanzeige wurde im Blick behalten – bei einem Langzeiteinsatz ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Rückbau mit System

Nach der halben Stunde Betriebszeit kam das Kommando zum Rückbau. Systematisch wurden die vier Strahler abgeschaltet, die Steckverbindungen gezogen. Der Lichtmast des Lima-Anhängers blieb noch in Betrieb und sorgte dafür, dass der Abbau nicht im Dunkeln stattfinden musste. Die Kabel wurden sorgfältig aufgerollt, die Stative abgebaut und die Abspannleinen eingeholt. In kürzester Zeit war alles wieder verladen. Erst als der letzte Strahler verstaut war, wurde auch der Lichtmast eingefahren und der Generator heruntergefahren.

Erfolgreiche Nachbesprechung

Bei der abschließenden Nachbesprechung waren sich alle einig: Die Übung war ein voller Erfolg. „Wir haben gesehen, dass wir mit klarer Aufgabenteilung sehr schnell sehr viel Licht aufbauen können“, fasste Felix Rank zusammen. „Und die Entscheidung, sofort den Lichtmast zu nutzen, hat den Aufbau enorm beschleunigt.“

Besonders positiv wurde die parallele Arbeitsweise hervorgehoben. „Jeder Trupp wusste genau, was zu tun ist“, sagte eine Einsatzkraft. „Kein Durcheinander, keine Wartezeiten – einfach professionell.“ Auch die Phasenverteilung war für viele nun deutlich greifbarer geworden. „Man versteht plötzlich, warum das wichtig ist“, meinte ein Teilnehmer. „Und warum man sich vorher Gedanken über die Leuchtmittel machen sollte.“

Die Erkenntnis über die HQI-Scheinwerfer und ihre Abkühlzeit wurde ebenfalls intensiv diskutiert. „Das ist genau das, was man in der Theorie nicht mitbekommt“, so Fabian Thunert. „Erst in der Praxis merkt man, welche Unterschiede die Technik macht – und wie man darauf reagieren muss.“

Die Streckenbeleuchtung über 250 Meter ist mehr als nur eine technische Übung. Sie zeigt, was im Ernstfall möglich ist – und dass selbst komplexe Aufgaben mit guter Vorbereitung und Teamarbeit schnell und sicher bewältigt werden können. Die kluge Nutzung des Lichtmasts als sofortige Grundbeleuchtung hat dabei den entscheidenden Unterschied gemacht: Statt im Dunkeln zu arbeiten, konnten alle Trupps von Anfang an unter optimalen Bedingungen arbeiten. Wenn beim nächsten Großschadensereignis die Nacht zum Tag wird, sitzen die Handgriffe sicher – und das kann Leben retten.

Fazit: Eine praxisnahe, spannende Ausbildung, die technisches Verständnis, Teamwork und Einsatzrealität vereint und zeigt, dass intelligente Vorbereitung im Ernstfall den entscheidenden Unterschied macht.

Bilder zur Meldung

Hinweis

Alle zur Verfügung gestellten Bilder sind honorarfrei und dürfen unter Angabe der Quelle für die Berichterstattung über das THW und das Thema Bevölkerungsschutz verwendet werden. Alle Rechte am Bild liegen beim THW. Anders gekennzeichnete Bilder fallen nicht unter diese Regelung.

Suche

Suchen Sie hier nach einer Nachricht: