Angenommen wurde eine Mehlstaubexplosion in der Lagerhalle. Die Feuerwehr hatte alle Brände und Glutnester bereits gelöscht, dennoch galten zwei Personen weiterhin als vermisst. Laut Angaben des Schichtleiters befanden sich Herr Baguette und Frau Brötchen zum Zeitpunkt der Explosion im Gebäude. Da der Feuerwehr keine weiteren Atemschutzgeräteträger zur Verfügung standen, übernahmen die eingesetzten Kräfte des THWs die Suche im Gebäude.
Orientierung unter Atemschutz
„Man merkt schnell, dass eine Halle ganz anders wirkt, sobald man mit Maske unterwegs ist“, beschreibt ein Atemschutzgeräteträger später. Feiner Staub lag in der Luft, Konturen verschwammen, Geräusche wurden gedämpft. Orientierung entstand nicht durch Sicht, sondern durch Absprachen, Berührungen und Vertrauen in den Trupppartner. Jeder Schritt wurde bewusst gesetzt, jeder Handgriff kontrolliert ausgeführt.
Der Moment, der alles verändert
Mitten in der laufenden Erkundung änderte sich die Lage abrupt. Über Funk ertönte der Ruf, der auch in einer Übung sofort alles andere in den Hintergrund rückt:
„Mayday, Mayday, Mayday.“
Der eingesetzte Trupp meldete einen Atemschutznotfall. Ein Kamerad hatte bemerkt, dass es seinem Trupppartner zunehmend schlechter ging. Schwindel, Unwohlsein, ein klares Warnsignal.
„In dem Moment denkst du nicht lange nach“, schildert ein Beteiligter. „Du merkst nur: Deinem Partner geht es nicht gut – und jetzt zählt jede saubere Entscheidung.“
Sicherheit durch Routine und Vertrauen
Unverzüglich wurde der Sicherheitstrupp alarmiert. Die geübten Abläufe griffen ineinander, ruhig, konzentriert und ohne Hektik. Der betroffene Atemschutzgeräteträger wurde erreicht und gemeinsam aus dem Gefahrenbereich begleitet. Draußen, an der frischen Luft, fiel die Anspannung spürbar ab.
„Auch wenn wir wussten, dass es eine Übung ist – der Mayday-Moment fühlt sich immer real an“, fasst ein weiterer Helfer zusammen. „Genau deshalb üben wir das.“
Nach Abschluss des Atemschutznotfalls kehrten die Trupps in die Halle zurück. Die Suche wurde fortgesetzt, bis beide vermissten Personen aufgefunden und aus dem Gebäude gerettet waren. Erschöpft, aber fokussiert endete eine Übung, die weniger durch dramatische Rauchentwicklung, dafür umso mehr durch realistische Abläufe und menschliche Nähe geprägt war.
Die Atemschutzübung machte deutlich, dass Sicherheit im Einsatz nicht bei der Ausrüstung endet. Sie beginnt im Trupp, im Blick füreinander und im Vertrauen darauf, dass im entscheidenden Moment jeder weiß, was zu tun ist. Die Erfahrungen dieses Abends fließen direkt in die weitere Ausbildung ein und stärken die Einsatzbereitschaft der Helferinnen und Helfer im Technisches Hilfswerk.